Von: Thomas Fritsch, Chefredakteur
Interviewpartner: Federico Montini (Vertriebsleiter und Vorstandsmitglied), Valentina Montini (Einkaufsleiterin und Vorstandsmitglied)
Die Investition in eine Gigapresse ist für FOMA aus zwei strategischen Gründen von großer Bedeutung. Zum einen markieren wir damit unseren klaren Einstieg in das Geschäft mit Strukturbauteilen. Auf dieser Anlage werden wir Türrahmen und weitere strukturelle Komponenten fertigen.
Zum anderen gibt es in Europa derzeit nur wenige Gigapressen, von denen die meisten bei OEMs stehen. Diese Knappheit verschafft uns einen technologischen und wettbewerblichen Vorteil – Innovationsführerschaft gehört seit jeher zur DNA von FOMA.
Unser Technikteam hat zudem eng mit dem Anlagenlieferanten zusammengearbeitet, um eine möglichst flexible Maschinenkonfiguration zu realisieren, die die Fertigung unterschiedlicher Bauteilgeometrien erlaubt.
Wachstum trotz Marktrückgang: Diversifikation als Erfolgsfaktor
Die Automobilindustrie befindet sich im Umbruch, die Produktion in Europa geht zurück.
Wie entwickelt sich das Druckgussgeschäft bei FOMA in diesem Umfeld, und welche Strategien verfolgen Sie für zukünftiges Wachstum?
Für das Jahr 2025 erwarten wir ein Umsatzwachstum von rund 20 Prozent, mit einem weiteren Plus von etwa 20 Prozent in den darauffolgenden zwei Jahren. Das ist bemerkenswert angesichts des rückläufigen Fahrzeugabsatzes in Europa.
Möglich wird dies durch unsere technologische Offenheit: Wir arbeiten sowohl an Elektrofahrzeug- als auch an Verbrennerprojekten. Zusätzlich haben wir neue Projekte im Bereich Strukturbauteile gestartet und sind in das Nutzfahrzeugsegment eingestiegen. Diese Diversifikation ist ein zentraler Bestandteil unseres Fünfjahres-Wachstumsplans.
Grenzen des Gigacastings: Realismus statt Größenwettlauf
Mit der neuen Italpresse-Anlage ist FOMA in das Zeitalter des Gigacastings eingetreten.
Gibt es bereits Pläne für weitere Großpressen oder zusätzliche Investitionen?
Wir verfolgen die Entwicklungen in China sehr genau, sehen jedoch aktuell nicht, dass extreme Anlagengrößen jenseits von 10.000 Tonnen kurzfristig in Europa relevant werden. Auch die langfristige Wirtschaftlichkeit solcher Gigapressen bewerten wir kritisch.
Ein Trend zu größeren Maschinen ist erkennbar, doch oberhalb von etwa 6.000 Tonnen ergibt dies aus unserer Sicht vor allem für OEMs Sinn. Die Investitionen sind enorm, der Markt zugleich sehr volatil. Bei FOMA starten wir bewusst mit einer Anlage, beobachten den Markt genau und prüfen die reale Nachhaltigkeit des Konzepts. Weitere Gigapressen schließen wir nicht aus, planen derzeit jedoch keine Anlagen über 5.000 Tonnen.
Qualität im Fokus: Prozessstabilität bei großformatigen Bauteilen
Großformatige Strukturbauteile stellen hohe Anforderungen an Präzision und Prozessstabilität.
Wie stellt FOMA sicher, dass auch im Gigacasting höchste Qualitätsstandards eingehalten werden?
Bereits in der frühen Projektphase haben wir erheblichen Aufwand betrieben. Dazu zählten zusätzliche Simulationsschleifen in der Werkzeugentwicklung, die Installation eines hochentwickelten Vakuumsystems sowie eine sehr präzise Thermoregelung. Ergänzend haben wir in ein neues Computertomografie-System investiert.
Gemeinsam mit unserer Qualitätsabteilung wurden robuste Prüfprozesse zur Kontrolle von Dichte und Verzug entwickelt – beides kritische Faktoren bei Strukturbauteilen. Unsere Gigapresse ist zudem, wie alle Druckgießlinien bei FOMA, vollautomatisiert, was Produktivität und Wiederholgenauigkeit sicherstellt.
Hohe Fertigungstiefe als Wettbewerbsvorteil
FOMA deckt zahlreiche Prozesse ab, darunter den hauseigenen Werkzeugbau und die mechanische Bearbeitung.
Wie wichtig ist diese Tiefe für Wettbewerbsfähigkeit und Qualität?
In den vergangenen zehn Jahren haben wir über 100 Millionen Euro in den Ausbau der mechanischen Bearbeitung investiert. Heute ist es unerlässlich, einbaufertige Komponenten zu liefern – unabhängig davon, ob der Kunde ein OEM oder Tier-1-Zulieferer ist.
Der Werkzeugbau ist historisch der Ursprung von FOMA und seit den 1950er-Jahren ein zentraler Know-how-Träger. Auch heute ist er entscheidend für die Effizienz unserer Druckgießproduktion, da wir Werkzeuge warten, optimieren und selbst fertigen können.
Regulierung und Technologieoffenheit: Erwartungen an Politik und OEMs
Die europäische Automobilindustrie steht vor großer Unsicherheit, insbesondere im Hinblick auf das Verbrennerverbot ab 2035.
Welche Erwartungen haben Sie an Politik und OEMs?
Unser erstes reines Elektrofahrzeugprojekt startete bereits 2018. Seitdem haben wir zahlreiche EV-Projekte umgesetzt. Aktuell sehen wir jedoch, dass viele dieser Programme unter den ursprünglich erwarteten Stückzahlen bleiben.
Langfristig wird Elektromobilität eine zentrale Rolle spielen, doch der zeitliche Verlauf ist schwer vorhersehbar. Die Akzeptanz in Europa entwickelt sich langsamer als erwartet. Das geplante Verbrennerverbot ab 2035 sorgt aus unserer Sicht für zusätzliche Unsicherheit.
Wir wünschen uns mehr technologische Offenheit, damit der Markt entscheiden kann, welche Lösungen sich durchsetzen. Nur so lassen sich Investitionen, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa nachhaltig sichern.