05.12.2014

© Verlag Stahleisen GmbH

Wir kämpfen um jeden Azubi

Der 18-jährige Tobias Kamm aus dem Harz wird Werkstoffprüfer. Am 1. September dieses Jahres trat er in der Silbitz Guss GmbH im gleichnamigen Ort in Thüringen seine dreieinhalbjährige Ausbildung an. „Werkstoffprüfer ist mein Wunschberuf. Den wollte ich eigentlich im Harz erlernen. Da es jedoch im Umkreis meines Heimatortes kein Unternehmen gibt, das in dieser Richtung ausbildet, habe ich mich im Internet umgesehen und schließlich in Silbitz beworben. Bisher bin ich mit meiner Lehre hier sehr zufrieden“, sagt er.


Wie Tobias Kamm haben in diesem Jahr 19 weitere Lehrlinge ihre Ausbildung in der Silbitzer Gießerei begonnen. Sie  kommen vor allem aus Eisenberg, Gera, Zeitz und Schkölen und erlernen einen der folgenden acht Berufe: Gießereimechaniker, Technischer Modellbauer, Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Industriekaufmann, Elektroniker, Mechatroniker oder – wie Tobias Kamm – Werkstoffprüfer. 80 Mitarbeiter scheiden in fünf bis zehn Jahren aus „Wir hätten in diesem Jahr 23 Stellen besetzen können, was leider nicht geklappt hat“, sagt Jörg Vogel, Leiter des Personalwesens in der Firma. Zwar gäbe es ausreichend Bewerber, jedoch bringen nicht alle die  notwendige Qualifikation oder Eignung mit. Auch seien einige dabei, die bereits eine zweite oder sogar dritte Ausbildung abgebrochen hätten – keine guten Voraussetzungen, um bei einer erneuten Bewerbung um einen Ausbildungsplatz unter die Favoriten zu gelangen. „Wenn wir trotzdem einen guten Eindruck von einem Bewerber haben, sind wir bereit, ihm eine Chance zu geben. Letztlich kämpfen wir zurzeit tatsächlich um jeden einzelnen Azubi“, sagt Vogel. Er und auch der Ausbildungsverantwortliche im Unternehmen, Ronny Keppler, sind sich bewusst, dass das Arbeiten in der Gießerei körperlich schwer und anspruchsvoll ist. „Es ist teilweise ein dreckiger und sandiger Job mit Metallstaub und Lärm. Ich glaube aber, dass wir mit der Vergütung und den Arbeitszeiten ein gutes Paket geschnürt haben. Mit einer monatlichen Ausbildungsvergütung von 810 Euro im ersten Ausbildungsjahr bei einer 38-Stunden-Woche müssen wir uns nicht verstecken“, ist sich Vogel sicher. Ein weiterer Vorteil sei, dass eine unbefristete Übernahme nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung sicher ist. Die Notwendigkeit, neue Mitarbeiter auszubilden und einzustellen, sei unter anderem mittels einer Altersstrukturanalyse festgestellt worden. „Der Studie zufolge verlieren wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren mindestens 80 Mitarbeiter. Sie werden altersbedingt aus der Firma ausscheiden“, informiert Vogel. Noch in diesem Jahr soll im Unternehmen zudem eine Ausbildungswerkstatt „Metall“ eröffnet werden. „Bisher haben wir diese Ausbildung  größtenteils extern über Bildungsträger durchführen lassen. Allerdings ist uns vom Ausbildungsverbund mitgeteilt worden, dass wir aufgrund unserer Größe ab dem 1. September dieses Jahres nicht mehr förderfähig sind. Allein für die Grundausbildung fehlen uns dadurch jährlich mehr als 30 000 Euro“, sagt Vogel. Deshalb hat man in der Firma ein Konzept für eine Ausbildungswerkstatt erarbeitet, das derzeit für einen „ordentlichen sechsstelligen Betrag“, wie es der Leiter des Personalwesens formulierte, umgesetzt wird. Dafür werden auch im Moment noch vier bis dato leerstehende Räume umgestaltet, die insgesamt eine Größe von etwa 180 m2 haben. Dort wird es bald ein Büro mit zwei Computerarbeitsplätzen geben. An einem wird Ronny Keppler sitzen, der auch als Ausbilder in der Werkstatt „Metall“ tätig sein wird. Langfristig ist vorgesehen, dass ein zweiter Ausbilder dazukommt. Direkt ans Büro schließt sich ein Schulungsraum an. Dieser wird mit Beamer und ebenfalls zwei PC-Arbeitsplätzen ausgestattet. Im Maschinenraum nebenan soll es für die Lehrlinge genug Möglichkeiten zum Ausprobieren geben: es werden unter anderem Dreh- und Fräsmaschinen aufgestellt und es wird Sägen, Blechscheren und andere Arbeitsgeräte geben. Darüber hinaus soll ein Platz zum Schweißen eingerichtet werden. Schließlich ist auch ein Handarbeitsraum vorgesehen, in dem an zehn Werkbänken gearbeitet werden kann. Insgesamt werden zurzeit 56 Lehrlinge bei der Silbitz Guss GmbH ausgebildet. Für 2015 sollen erneut 20 Lehrlinge eingestellt werden. Auch ein Direktstudium der Gießereitechnik an der Technischen Universität Freiberg kann man über das Unternehmen absolvieren. (Quelle: OTZ/Ute Flamich)

www.silbitz-guss.de


 


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