31.10.2014

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Werkzeugmaschinenindustrie sieht weiterhin Wachstumschancen

Im ersten Halbjahr 2014 hat die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ihre Produktion auf dem hohen Vorjahresniveau von rd. 6,5 Mrd. Euro gehalten. „Die Branche hat sich dank der guten Inlandsnachfrage wacker geschlagen“, berichtete Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) anlässlich des Presselunches am 16. September 2014 auf der  Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung (AMB) in Stuttgart. Zugleich räumte er ein, dass die Produktionsprognose des Verbandes, der auch ideeller Träger der AMB ist, mit 3 % Plus zunehmend ehrgeizig werde.


Dennoch sieht der VDW durchaus Lichtblicke. Bis Juli stieg der Auftragseingang um 7 %. Wichtige Impulse kommen aus dem Ausland. „Wir erwarten für das zweite Halbjahr einen Rollentausch zwischen In- und Auslandsnachfrage“, so Schäfer. Zwar wuchsen die Inlandsbestellungen im ersten Halbjahr noch um 18 %, während die Auslandsaufträge mit minus 1 % leicht sanken. In den Monaten Mai bis Juli lagen sie jedoch bereits bei 5 % Minus und rutschten im Juli erstmals seit acht Monaten in einem einzelnen Monat zweitstellig mit 24 % ins Minus.

Umgekehrt sieht es bei den Auslandsbestellungen aus. Sie haben seit Mai ins Plus gedreht, lagen von Mai bis Juli 23 % über Vorjahr und sind im Juli dieses Jahres sogar um satte 42 % gestiegen. Der Zuwachs besteht zum Teil aus Großaufträgen, aber nicht nur. Er ist vielmehr breit angelegt und wirkt auch in der Zerspanungstechnik.

Laut einer VDW-Umfrage sorgten vor allem Bestellungen aus Amerika und Teilen Europas für die positive Entwicklung. Die intensiven Re-Industrialisierungsanstrengungen in den USA und hohe Investitionen der Automobilindustrie in den NAFTA-Ländern Mexiko und Kanada sowie in Osteuropa sorgten hier für höhere Bestellungen von Produktionstechnologie „Made in Germany“.

Erwartungsgemäß weist Russland mit einem Minus von 40 % einen deutlichen Auftragsrückgang aus. Die Verteuerung der Importe in Folge der Rubelabwertung, die anhaltend schwierige Finanzierungslage und die von der EU erschwerten Exporte von Dual Use-Gütern sind laut Schäfer wesentliche Ursachen. Insgesamt steigt die europäische Nachfrage daher nur leicht.

Schwach laufen auch die Geschäfte mit Asien. Potente Märkte wie China, Südkorea und Thailand bestellten im ersten Halbjahr nach wie vor weniger Werkzeugmaschinen in Deutschland als im Vorjahreszeitraum. Der VDW richtet dennoch weiterhin seine Erwartungen auf China, den größten Absatzmarkt für deutsche Werkzeugmaschinen. Zwar gehörten die hohen zweistelligen Zuwachsraten bei Werkzeugmaschinenverbrauch und -import wohl der Vergangenheit an, so Schäfer. Jedoch benötigten die chinesischen Unternehmen für ihre Qualitätsoffensive, die von der Politik vorgegeben ist, hochwertige Produktionstechnik. „Damit deutsche Hersteller davon profitieren, müssen sie am Ball bleiben und diesen Markt konsequent auf- und ausbauen“, bekräftigt Schäfer.

Die dargestellten Entwicklungen zeigen, dass die Weltwirtschaft keineswegs von Pessimismus lahmgelegt ist. Der internationale Einkaufsmanagerindex, ein wichtiger Frühindikator für die Konjunktur, untermauert dies. Er ist nicht so volatil und von Stimmungen beeinflusst wie das ifo-Geschäftsklima, weil auch harte Fakten wie Auftrags- und Preisentwicklung, Absatz und Auslastung etc. in die Berechnung einfließen. Global hat er sich bemerkenswert stabil gehalten, trotz der vielen Krisenherde in der Welt. In etlichen Märkten wie Japan, Korea oder Brasilien bessert sich die Einschätzung. Im wichtigen Leitmarkt USA zeigt die Kurve seit geraumer Zeit sogar steil aufwärts. China hat sich seit seinem Tief im Frühjahr dieses Jahres ebenfalls wieder erholt. Der letzte Monat brachte jedoch einen Wermutstropfen. „Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob die internationalen Investitionen der wichtigen Ab-nehmerbranchen für die Werkzeugmaschinenindustrie steigen, wie von Wirtschaftsfachleuten prognostiziert, und ob unsere Branche davon profitieren kann“, sagte Schäfer abschließend.

ww.vdw.de


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